Haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen

Inanspruchnahme der Steuerermäßigung nach §35a EStG

Mit Beginn des Veranlagungszeitraumes 2006 hat das Bundesfinanzministerium (BMF) die Inanspruchnahme einer Steuerermäßigung nach §35a EStG auf Mietverhältnisse ausgedehnt. Damit können auch Mieter von dieser Regelung profitieren. Da es sich um eine Steuerermäßigung und nicht um Werbungskosten handelt, ist natürlich Voraussetzung, dass der Mieter tatsächlich Steuern zahlt, also eine Steuerschuld gegenüber dem Finanzamt besteht. Grundsätzlich sollen die begünstigten Aufwendungen für regelmäßig wiederkehrende Dienstleistungen anhand der geleisteten Vorauszahlungen, d.h. also der geleisteten Betriebskostenvorauszahlungen, im Jahr der Zahlung steuerlich berücksichtigt werden. Auf Initiative der BSI (Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft) wurde folgende Vereinfachung möglich: Danach können Mieter die gesamten begünstigten Aufwendungen auch erst in dem Jahr geltend machen, in dem die Nebenkostenabrechnung zugeht (Beispiel: Die begünstigten Aufwendungen aus der Betriebskostenabrechnung für das Kalenderjahr 2008, die im Jahr 2009 zugeht, kann der Mieter insgesamt in seiner Einkommenssteuererklärung für 2009 berücksichtigen). Die Steuerermäßigung gilt im Übrigen auch für den selbst nutzenden Eigentümer von Wohnungseigentum. Gleichzeitig ist die Ermäßigung auf Handwerkerleistungen ausgeweitet worden.

Ursprünglicher Sinn und Zweck der Regelung ist Eindämmung von Schwarzarbeit im Bereich haushaltsnaher Dienstleistungen. Der ehrliche Steuerbürger wird durch eine Steuerermäßigung belohnt, sofern er eine ordentliche Rechnung vorlegen kann und das Entgelt auf das Konto des Dienstleisters oder Handwerkers überwiesen hat, die Leistung also unbar bezahlt hat. Durch diese Belohung soll letztlich auch der steuerehrliche Betrieb unterstützt werden.

Die nachstehenden Ausführungen sollen einen Überblick über die begünstigten Aufwendungen und weitere Voraussetzungen des §35a Abs. 2 EStG geben, soweit sie für Mietverhältnisse über Wohnraum von Bedeutung sind.

 

Welche Betriebskostenarten sind betroffen?

1. Haushaltsnahe Dienstleistungen im Sinne des §35a Abs. 2 Satz 1 EStG

  • Gebäudereinigung und Ungezieferbekämpfung
  • Gartenpflege (ausgenommen ist die Erneuerung von Spielsand)
  • Winterdienst (ohne öffentlichen Grund)
  • Straßen- und Wegereinigung (sofern keine öffentlich-rechtliche Verpflichtung vorliegt)
  • Kosten des Hauswartes (ohne sächliche Kosten)
  • Dachrinnenreinigung

2. Handwerkerleistungen im Sinne des §35a Abs. 2 Satz 2 EStG

  • Schornsteinfegerreinigung
  • Kosten des Betriebs des Personen- und Lastenaufzugs (die Kosten der Beaufsichtigung, Bedienung und Überwachung des Aufzugs, der Pflege, die Kosten der Betriebssicherheitsprüfungen sowie der Einstellungen der Anlage)
  • Wartungskosten im Bereich der Kosten für Warmwasser und Heizung

 

Welche Aufwendungen sind begünstigt?

Es werden nur die Lohnkosten sowie die in Rechnung gestellten Fahrt- und Maschinenkosten begünstigt. Materialkosten oder sonstige im Zusammenhang mit der Dienstleistung gelieferte Waren bleiben außer Ansatz.

Die begünstigten Aufwendungen sind in unseren Betriebskostenabrechnungen am Schluss des Abrechnungsteils getrennt nach haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerleistungen ausgewiesen (siehe nachfolgendes Bild). Da Materialkosten nicht begünstigt sind, kann die entsprechende Kostenposition in diesem Teil der Abrechnung geringer ausfallen als in der Gesamtabrechnung ausgewiesen.

 

 

Wie hoch ist die steuerliche Ermäßigung?

1. Haushaltsnahe Dienstleistungen im Sinne des §35a Abs. 2 Satz 1 EStG

Ermäßigung der tariflichen Einkommensteuer um 20% der Aufwendungen, höchstens 4.000 Euro ab Kalenderjahr 2009 (bis Kalenderjahr 2008 EUR 600).

2. Handwerkerleistungen im Sinne des §35a Abs.2 Satz 2 EStG

Ermäßigung der tariflichen Einkommensteuer um 20% der Aufwendungen, höchstens 1.200 Euro ab Kalenderjahr 2009 (bis Kalenderjahr 2008 EUR 600).

Werden die 4.000/1.200 Euro ausgeschöpft, reduziert sich die Steuerschuld um 4.000/1.200 Euro. Da es sich um eine Steuerermäßigung handelt, erfolgt der Abzug von der tariflichen Einkommensteuerschuld und nicht von den Einnahmen, wie dies bei Werbungskosten der Fall ist.

 

 

Welche Nachweise sind erforderlich?

Von den Finanzämtern wird als Beleg die Betriebskostenabrechnung des Wohnungsunternehmens anerkannt, auf dem der auf haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen entfallende Anteil getrennt ausgewiesen wird. Diese Voraussetzung erfüllt HSG bei den aktuell vorliegenden Abrechnungen.

Die Steuerermäßigung nach §35a EStG können Sie auch im Falle privat beauftragter Handwerker geltend machen, wenn Sie selbst Auftraggeber einer Handwerkerleistung sind. Lassen Sie also beispielsweise Ihre Wohnung durch eine Malerfirma renovieren, sind 20% der Lohn-, Fahrt- und Maschinenkosten, höchstens jedoch 4.000/1.200€ als Steuerermäßigung pro Jahr berücksichtigungsfähig.

Voraussetzung für die Anerkennung gegenüber dem Finanzamt ist die Überweisung des Rechnungsbetrages auf ein Konto des Leistungserbringers der Handwerkerleistung. Barzahlungen führen nach dem Gesetzeswortlaut nicht zu einer Steuerermäßigung nach §35a Abs. 2 EStG. Dies gilt nach der finanzgerichtlichen Rechtsprechung auch dann, wenn der Zahlungserhalt später auf der Rechnung quittiert worden ist.

Weiterhin muss die Aufteilung des Rechnungsbetrages in Materialkosten, Lohn- und Fahrtkosten zuzüglich der darauf entfallenden Umsatzsteuer auf der Rechnung separat ausgewiesen werden. Nur Lohn- sowie Fahrt- und Maschinenkosten fallen unter die Steuerermäßigung nach §35a Abs. 2 EStG.

Mit diesem Beitrag möchten wir auf eine einfache Möglichkeit der Steuerersparnis hinweisen. Allerdings sind wir nicht befugt, zu steuerlichen Fragen Stellung zu nehmen oder die Mieter steuerlich zu beraten. Bitte wenden Sie sich hierzu an einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein. Eine Haftung für die erteilten Hinweise können wir nicht übernehmen.

Wer sich  vertieft mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, kann hier das aktuell gültige BMF-Anwendungsschreiben vom 26. November 2007 herunterladen: